Zankapfel: Die Honorarrechnung des Architekten 

 

Die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure, kurz HOAI genannt, hat hohe, aber keinesfalls unüberwindbare Hürden für die Architekten aufgebaut, um ihre Vergütungsansprüche aus einem Planungsauftrag abzurechnen. Umso mehr erstaunt die Unkenntnis der Architekten über die Stolperschwellen, die ihnen ihr eigenes Berufsrecht in den Weg gelegt hat. 

Die HOAI macht die Fälligkeit des Honoraranspruches davon abhängig, dass der Architekt eine prüfbare Abrechnung erstellt und diese dem Auftraggeber übergibt. Was zunächst einfach klingt, weist doch deutliche Tücken auf. 

Die sog. Vollarchitektur setzt sich aus drei Einzelbereichen zusammen: der Genehmigungsplanung (Phasen 1 bis 4), der Werkplanung und Vergabe (Phasen 5 bis 7) und der Bauüberwachung und Mängelbeseitigung (Phasen 8 bis 9). Die Abrechnung des Architekten über den gesamten Auftrag muss nach dem System der HOAI aufgestellt sein und folgende Angaben enthalten: 

  • Die Einordnung der Tätigkeit in die anzuwendende Honorarzone und deren Begründung. Hierbei kann der Architekt nur die Mindestsätze verlangen, außer er hat bei Auftragserteilung eine abweichende schriftliche Honorarvereinbarung getroffen.
  • Die Ermittlung der anrechenbaren Kosten für die vorgenannten Auftragsteile durch Erstellung von
    • Kostenberechnung für die Leistungsphasen 1 bis 4
    • Kostenanschlag für die Leistungsphasen 5 bis 7 und
    • Kostenfeststellung für die Leistungsphasen 8 und 9
    Diese Kostenermittlungen müssen grundsätzlich nach der Systematik der DIN 276 in der Fassung vom April 1981 vorgenommen werden.
  • Auf der Grundlage dieser anrechenbaren Kosten ist jeweils das Gesamthonorar der Honorartafel im Wege der Interpolation zu ermitteln und nach dem betreffenden prozentualen Anteil den erbrachten Leistungen zuzuordnen.
  • Nebenkosten können nur dann pauschal abgerechnet werden, wenn dies bei Auftragserteilung vereinbart war; anderenfalls ist der Einzelnachweis erforderlich.
  • Besondere Leistungen, Zuschläge oder eine zusätzliche Vergütung bedürfen eines gesonderten Ausweises in der Rechnung sowie der konkreten Darlegung der jeweiligen Voraussetzung.

Die Vereinbarung von Pauschalhonoraren ist grundsätzlich nur zulässig, wenn dadurch die Mindest- oder Höchstsätze nicht unter- oder überschritten werden. Abweichende Vereinbarungen wären unwirksam. 

Weitere Voraussetzung für die Fälligkeit des Vergütungsanspruches ist die Übergabe der Rechnung an den Auftraggeber. Der Architekt muss deshalb darlegen und notfalls beweisen, dass seine Honorarrechnung dem Auftraggeber zugegangen ist. 

Die Nichteinhaltung dieser formalen und inhaltlichen Vorschriften der HOAI führt im Regelfall dazu, dass die Rechnung als nicht prüffähig angesehen wird. Werden beispielsweise die anrechenbaren Kosten nicht nach der zutreffenden Kostenermittlungsart errechnet, sondern lediglich geschätzt, ist die Prüfbarkeit der Rechnung nicht gegeben mit der Folge, dass diese keinen fälligen Honoraranspruch begründen kann. 

Diese Vorschriften gelten grundsätzlich auch für Abschlagsrechnungen; auch hier muss der Architekt als zutreffende Angaben zu den anrechenbaren Kosten, der Honorarzone und dem Honorarsatz machen. 

Allerdings müssen Einwände gegen die Prüfbarkeit der Honorarrechnung innerhalb einer Prüfungszeit von zwei Monaten geltend gemacht werden. Nach Ablauf dieses Prüfungszeitraums kann sich der Auftraggeber nicht mehr auf die mangelnde Prüfbarkeit und damit fehlende Fälligkeit des Zahlungsanspruches berufen. Unberührt bleiben allerdings etwaige Einwände gegen die sachliche Richtigkeit der Abrechnung. 

Der derzeit herrschende strenge Wettbewerb führt in vielen Fällen dazu, dass Auftraggeber mit dem Architekten unwirksame, weil unter den Mindestsätzen der HOAI liegende, Honorarvereinbarungen treffen. In diesen Fällen wird der Auftraggeber sorgfältig überlegen müssen, ob er eine möglicherweise unzureichende Honorarrechnung seines Architekten wegen mangelnder Prüffähigkeit beanstandet. Der Architekt könnte dies zum Anlass nehmen, sich auf die Unwirksamkeit der getroffenen Honorarvereinbarung zu berufen und sein Honorar nach den gegebenenfalls höheren Mindestsätzen abzurechnen. In diesem Falle wäre es dem Auftraggeber versagt, sich auf die Bindungswirkung der Honorarschlussrechnung zu berufen, da er selbst diese als nicht prüfbar bezeichnet hatte. 

Diese kurze Betrachtung zeigt: Wohl dem, der auf dem Instrument der HOAI zu spielen vermag. 

 

Jürgen Hillmayer

Rechtsanwalt
Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht
Rechtsanwälte Müller & Hillmayer, München

 

« zurück zur Übersicht